Torrent: Mythen und Realität

Torrent: Herunterladen klappt, hochladen aber nicht

Filme für die persönliche Nutzung herunterzuladen ist erlaubt. Natürlich ist es illegal und unmoralisch, dafür wirst du aber nicht bestraft.

Du darfst aber keine Filme hochladen, dafür droht dir eine Strafe. In irgendwelchen Lizenzabkommen, die du nicht akzeptiert hast, steht, dass die Verbreitung dieses Inhalts verboten ist, weil die Urheber- und sonstige Rechte verletzt werden. Dies ist irrelevant, wenn du die Filme  nur herunterlädst oder online schaust, zum Beispiel bei Video-Services. Selbst wenn du erwischt wirst, drohen dir keine Folgen. Und weil es keinen Sinn macht, wird dich auch keiner erwischen.  Aber Torrent-Netzwerke basieren auf dem Prinzip der zeitgleichen Verteilung: Während du eine Datei aus dem Netzwerk herunterlädst, wirst du selbst zum Anbieter dieser Datei. Und bestraft wird man für die illegale Verbreitung des Materials, welches dem Urheberrecht unterliegt.

Dein Provider beobachtet dich nicht

Dein Provider beobachtet dich nicht – es macht keinen Sinn und ist ziemlich schwierig. Stell dir vor, was für einen Netzverkehr Millionen von Nutzern an einem Abend verursachen.  Was dein Provider maximal sieht, ist die Art des Netzverkehrs und er könnte eventuell erraten, dass er einem Torrent ähnelt. Er macht das auch nur, um die Geschwindigkeit zu begrenzen, wie es in deinem Vertrag steht. Eine detaillierte Analyse, wie z. B. der Inhalt des Netzverkehrs, Filmtitel, ob das Material legal ist, macht der Internet-Provider nicht, weil es viel schwieriger und teurer ist. Darüber hinaus ist der meiste Torrent-Verkehr, (са. 70-80 %) verschlüsselt.  Um den Inhalt eines verschlüsselten Netzverkehrs zu sehen, braucht man nicht nur sehr teure Technik, sondern auch ganze Supercluster!

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Abmahnkanzleien

Erwischt wirst du durch die sogenannten Abmahnkanzleien, die sich auf das Thema Piraterie spezialisieren. Die Abmahnanwälte interessieren sich wenig für die Urheberrechte, es geht ihnen mehr darum, die Torrent-Nutzer einzuschüchtern und ihnen das Geld aus der Tasche zu ziehen. Denn die Anwälte bekommen meistens mehr als die Hälfte der erhaltenen Gewinne aus Strafen. Es ist ein sehr profitables Geschäftsmodell.

Diese Anwaltskanzleien verfolgen entweder selbst oder mit Hilfe ihrer Partner, die ihre Büros außerhalb von Deutschland haben, alle Filme in Torrent-Netzwerken, die besonders populär sind oder vor kurzem herausgebracht wurden. Sie laden selbst diese Torrents herunter (!) und notieren die IP-Adressen der Anbieter.

Die IP-Adressen der deutschen Provider geben sie an die Anwaltskanzleien weiter, die anschließend den Fall eröffnen. Nicht-deutsche IP-Adressen werden ignoriert, da dies das juristische Verfahren erschwert: andere Länder, andere Gesetze.

Die Abmahnanwälte fordern die Provider auf, ihnen die IP-Adressen mitzuteilen. Die Begründung: Die genannten Nutzer haben gegen das Gesetz verstoßen, die Raubkopien ins Netz gestellt. Man sagt, dass die Rechtmäßigkeit solcher Anträge sehr umstritten ist. Aber die Internet-Provider geben diese Daten heraus.

Erpressung

Dann fangen diese Anwaltskanzleien an, dich zu erpressen: Sehr geehrter Herr X, sehr geehrte Frau Y, am genannten Tag haben Sie diesen Film heruntergeladen. Hier sind die Beweise: Screenshots mit Ihrer IP-Adresse – die Gott weiß wie in ihre Hände gelangt sind, aber das Gericht wird ihnen glauben – also zahlen Sie bitte 1000 Euro Strafe.  Wenn du die erste Abmahnung ignorierst, gibt es beim zweiten Mal 20 % Rabatt. Bei der dritten Abmahnung gibt es einen Aufschlag – “Wer nicht hören will, muss fühlen, wir haben ja schließlich Kosten”. Erst nach der 4.- 5. Abmahnung kann der Fall vor Gericht kommen.

Diese Erpressung kann ein bis zwei Jahre dauern. Am Ende kommt allerdings ein solider Betrag juristischer Kosten zusammen, die du zusätzlich zur Strafe zahlen musst.  Diese Strafen sind nicht im Gesetz festgelegt, es gibt keine Standards. Das ist einfach ein Geschäftsmodell privater Unternehmen. Die Beträge kommen je nach dem Appetit der Studios (ca. 100-300 Euro/Film) und der Juristen (600-900 Euro/Film) zustande. Ist nichts Persönliches. Es geht nur ums Geschäft. Das heißt, man kann den Preis verhandeln (nach Maß und Zahl)

ABER: Wenn du antwortest und auch indirekt sagst, ja, es gab da so einen Vorfall, wie könnte ich den Betrag reduzieren – das gilt als Selbstanzeige und es gibt keinen Weg zurück.

Wie man sich schützen kann

Es ist besser, sich an Juristen zu wenden, die sich auf Streitfällen mit solchen Anti-Piraterie-Anwälten spezialisieren. Dein Anwalt könnte die Situation zu deinen Gunsten entscheiden. Er wird in seinen Schreiben solche schwammigen Formulierungen verwenden, wie “mit diesem Schreiben erkennt mein Mandant seine Schuld nicht an, aber könnten Sie präzisieren, wie man den Forderungsbetrag reduzieren könnte.” Der Anwalt wird dich etwa 300-500 Euro pro Film bzw. Fall  kosten.

Lass dich nicht erwischen

Es gibt aber Wege, diese Risiken zu minimieren.  Alles einschränken, was hochgeladen wird: Die gesamte Upload-Geschwindigkeit auf Null und ratio der Verteilung auf 0.00001 setzen. Direkt nach Abschluss die Torrent-Netzwerke schließen und überhaupt alles begrenzen, was begrenzt werden kann.  Jene Torrent-Netzwerke nutzen, die kein Interesse für die deutschen Abmahnanwälte darstellen, z. B. die russischen Torrent-Netzwerke.

Eine weitere Möglichkeit ist, VPN-Services zu nutzen. Ein VPN-Service ermöglicht es dir, deine Online-Aktivitäten zu anonymisieren. Abhängig vom Anbieter kostet er etwa 2-8 Euro im Monat. Damit kannst du deinen Standort außerhalb Deutschland wählen und ohne Stress Torrents downloaden.


Erstellt am:11/28/2019

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